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Montag, 22 Juli, 2013

Berufstätigkeit, Familie und eine nebenberufliche Weiterbildung. Diese Mehrfachbelastung stemmen viele Fernstudentinnen und Fernstudenten mit hohem organisatorischen Aufwand, der oft mit zeitlichen Engpässen verbunden ist.

Die wenige Zeit, die zum Lernen bleibt, will deshalb effektiv genutzt werden. Aus diesem Grund ist es wichtig, individuell passende Lernstrategien zu entwickeln. Eine Lerntypberatung und -erkennung verspricht entsprechende Hilfe und Unterstützung und wird derzeit von vielen Weiterbildungs- und Fernstudien-Anbieter angeboten. Doch greift die Theorie der Lerntypen nach Vester wirklich?

Das spricht für die Nutzung der Lerntyp-Strategie

Sicherlich sind Sie in der Schule oder in der Auseinandersetzung mit Ihren eigenen Lernstilen auf den Begriff der Lerntypen nach Vester gestoßen. Der ursprüngliche Biochemiker Vester beschäftigte sich intensiv mit Lernstrategien und bestimmte vier unterschiedliche Lernerpersönlichkeiten:

  • auditiver Lerntyp, der Gehörtes sehr gut aufnimmt und erinnert,
  • kommunikativer Lerntyp, der ausgezeichnet im Gespräch und Austausch mit Anderen lernt,
  • visueller Lerntyp, der sich exzellent mit Schaubildern, Aufzeichnungen und Mindmaps verschiedenste Inhalte aneignet,
  • haptisch-motorischer Lerntyp, der anhand von Bewegungen, Handlungen und Modellen am besten Lernerfahrungen verarbeiten kann.

Umfragen und lernspychologische Experimente sowie bildungswissenschaftliche Beobachtungen habe diese Lerntyp-Theorie bestätigt. Auch die eigene Erfahrung vieler Lernenden zeigt, dass sie meist einen bestimmten Lernweg bevorzugen. Wird solch ein erkannter Lernstil bewusst angewendet und optimiert, lassen sich oftmals sehr gute Lernergebnisse erzielen.

Dies spricht gegen die Lerntyp-Theorie

Dass die genannten Lerntypen für ein erfolgreiches Lernen relevant sind, wird in der pädagogischen Fachliteratur kaum in Frage gestellt. Doch die Annahme einzelner Lerntypen, ist in Fachkreisen umstritten. So zeigt beispielsweise eine aktuelle Studie einer Online-Sprachlernplattform, dass die Einteilung in vier Lerntypen wahrscheinlich zu ungenau ist. Lernprozesse sind nach der Befragung von über 1.800 Sprachlernenden wesentlich individueller als in der Lerntyp-Theorie angenommen. Zusätzlich hat fast jeder zweite Proband bestätigt, dass die Lerngewohnheiten sich immer wieder ändern. Nur jeder vierte konnte sich einem fixen Lerntyp zuordnen. Auch Neurowissenschaftler bejahen diese Ergebnisse mit eigenen Untersuchungen, die besonders gute Lernerfolgnisse durch die Einbeziehung möglichst vieler Sinneskanäle bestätigen.

Aktuelles Fazit zur Lerntyp-Theorie

Wie andere Lerntheorien auch, zeichnet sich die Annahme der vier Lerntypen durch eine stark vereinfachte Darstellung von komplexen, höchst individuellen Lernvorgängen aus. Grundsätzlich gibt es bei jedem Lernenden, abhängig von

  • Lernsituation,
  • Stimmung und
  • Lerngewohnheiten

unterschiedliche Lernvorlieben und somit auch Vorgehensweisen. Eine strikte Selbstzuordnung zu einem bestimmten Lerntyp wirkt sich allerdings nach Expertenmeinung nicht positiv auf die persönlichen Lernerfolge aus.