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Dienstag, 13 Januar, 2009

Die 90er Jahre leiteten den Boom der Multimedia Branche ein und bescherten der New Economy ein ungeheures Maß an Aufmerksamkeit. Die anfänglich geplanten Home-Platforms, welche mittels CDI- und DVI-Rom´s gespeist wurden und komplett Hardware basiert liefen, verloren im Zuge der Entwicklung von grafischen Benutzeroberflächen auf Mac und PC an Bedeutung. Bis sie 1993 schliesslich endgültig vom Markt genommen wurden, hatten sie einen beträchtlichen Marktanteil von 50 %. Der Grundstein für die Softwareentwicklung als wichtiges Standbein für die Multimedia Industrie war somit gelegt. Im Rahmen der Entwicklung von Spielen und nicht zuletzt Lernsoftware wurde 1994 das umsatzstärkste Jahr der Multimedia Industrie.

Noch bevor sich das Internet als die heutige Hauptplattform multimedialer Projekte etablieren konnte, zeichnete sich 1998 bereits das Ende des bis dahin enorm wachsenden Marktes ab. So schnell sich anfänglich Investoren für die zahlreichen Firmen der New Economy fanden, sprangen sie angesichts der Verluste auch wieder ab. Das im Vergleich zu den Firmenexpansionen hinkende Wachstum an ausgebildeten Arbeitskräften störte in dieser Zeit aufgrund der Unkenntnis auf Seiten der Abnehmer kaum und die teils völlig überzogenen Forderungen seitens der Agenturen blieben unbemerkt oder erschienen oftmals sogar als angebracht. Die maximale Expansion wurde, wie der Gründer der Firma Pixelpark Paulus Neef schrieb, als das einzige Erfolgskriterium erhoben. Der folgende Kollaps der einstigen Giganten der Branche war nun nicht mehr zu verhindern.

Nach wie vor gilt die Multimedia Industrie allerdings als die wachstumsstärkste Branche in ganz Deutschland. Dies zeigt sich nicht zuletzt darin, dass die Zahl an offenen Stellen die der vorhandenen Arbeitskräfte auch heute übersteigt. So standen im Jahre 2001 4500 vorhandenen Stellen 3500 zukünftig besetzten gegenüber, ein Jahr zuvor fehlten sogar 8000. Im Zuge dieser Entwicklung scheint sich die Personalsituation zu entspannen und sich gleichsam einem Wandel zu unterziehen. Wurden früher krampfhaft neue Mitarbeiter mit hohen Einstiegsgehältern geworben, scheint sich der Markt heute mehr und mehr zu regulieren. Dementsprechend sind auch die Ansprüche auf Seiten der Arbeitgeber höher geworden. Für zwei Drittel aller Tätigkeitsfelder wird vorhandene Berufserfahrung als Einstellungsgrund angegeben, gefolgt von einem abgeschlossenen Hochschulstudium. Den in den 90er Jahren geworbenen Quereinsteigern aus den vielfältigsten Branchen, werden heute erfahrene und beständige Mitarbeiter grundsätzlich vorgezogen. Die infolgedessen entstandene Notwendigkeit, Berufserfahrung sammeln zu können, ist zumindest im Rahmen eines Praktikums gegeben, da fast zwei Drittel aller Unternehmen Praktikanten beschäftigen. Prozentual besteht die grösste Nachfrage mit 35 % bei den Programmierern, gefolgt von Grafikern/Design mit 17 %. Gerade der insgesamt höchste Mangel an Arbeitskräften im Bereich Projektleitung und Marketing eröffnet dem noch unerfahrenen Nachwuchs durch die gegründeten Studiengänge im Bereich Neue Medien viele Perspektiven. Die ständig wechselnden Anforderungen in der Industrie, verlangen vor allem Flexibilität in der Vorbereitung auf seine zukünftige Tätigkeit und persönlichen Weiterbildung. Entgegen dem allgemeinen Tenor der Multimedia Industrie noch vor einem halben Jahr, scheint sich die Markt- und Auftragslage inzwischen merklich verbessert zu haben. Mit allgemein pessimistischer Einstellung sprach man im Herbst 2002 noch von der schlechtesten Zeit der Multimedia Branche.

Durch die Verunsicherung seitens der Unternehmen und der daraus resultierenden Investitionshemmung war dieser Gedanke zwar durchaus nicht weit hergeholt, angesichts der vergleichsweise um ca. einen Indexpunkt höheren Stimmungswerte der Industrie in Österreich und der Schweiz, erschien der Pessimismus in der an den Tag gelegten Form allerdings nicht als gerechtfertigt. Um so erstaunlicher ist, dass um die Jahreswende bereits 88 Prozent aller auf ibusiness.de befragten Multimedia-Profis für eine baldige Trendwende bis spätestens zum zweiten Quartal 2003 stimmten. Insbesondere das Internet mit den damit verbundenen Produktions-, Erweiterungs- und Wartungsaufträgen sind das Standbein der Multimedia Industrie und stellt mit inzwischen 77 % die Haupt-Zielplattform der gesamten Branche dar.

Der starke Imageverlust der Branche, welcher nicht zuletzt durch die verfehlte Firmenpolitik einstiger Aushängeschilder der deutschen Multimediabranche entstand, bietet heute gerade kleineren Betrieben die Chance, das Vertrauen potentieller Auftraggeber zu erlangen. Dies ergibt sich in erster Linie aus dem Bedürfnis und der Forderung nach engerem Kontakt und stetiger Korrespondenz zwischen dem Auftraggeber und der entwickelnden Firma, da dieser Service in den All in one Firmen zumeist vernachlässigt wurde.

Folglich sind gerade die Firmen die beständigsten und in Zukunft erfolgreichsten, welche ihr Geschäft als Dienstleistung mit dem dazugehörigen Service verstehen und nicht zuletzt darauf bedacht sind, eine der Aufgaben und Aufträgen angemessenen Personalpolitik und Expansion zu betreiben, um bei einer schwachen Auftragslage nicht von den laufenden Personalkosten erdrückt zu werden.